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Die Rolle der Ernährung bei CED

PD Dr. Carsten Büning, Chefarzt Innere Medizin, Krankenhaus Waldfriede Berlin, www.waldfriede.de innere@waldfriede.de
PD Dr. Carsten Büning, Chefarzt Innere Medizin, Krankenhaus Waldfriede Berlin, www.waldfriede.de innere@waldfriede.de

Priv. Doz. Dr. Carsten Büning ist Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhaus Waldfriede in Berlin. Nahezu täglich spricht er mit Patienten, die von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa betroffen sind. Viele glauben, dass ihre Ernährung für die Krankheit verantwortlich oder zumindest mit ausschlaggebend für einen Schub ist. Dass das nicht stimmt, erläutert Dr. Büning: „Ernährung ist nicht die Ursache für die Erkrankung – und eine gute Ernährung kann keinen Schub verhindern oder den Verlauf der CED aufhalten. Aber eine individuell abgestimmte Ernährung kann den Verlauf im Schub positiv unterstützen und die Heilung fördern. Sie gehört zu einem Therapiekonzept dazu und sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität. Deswegen ist es für jeden Betroffenen hilfreich und wichtig, sich mit seiner Ernährung zu beschäftigen und heraus zu finden, was ihm bekommt, und was nicht.“

Gilt der Befund Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa als gesichert, erhebt der Arzt zusätzliche Daten zum Ernährungszustand der Patienten, insbesondere zum Gewichtsverlauf und Ernährungsgewohnheiten. Bei mangelernährten Patienten sollte der jeweilige Status von Vitaminen, Eisen, Spurenelementen und Mineralstoffen regelmäßig überprüft werden. „Verschlechtert sich ein Befund können Vitamine, Eisen oder Mineralstoffe gut substituiert werden. Bei untergewichtigen Patienten ist außerdem die Gewichtszunahme ein wichtiges Therapieziel“, so Dr. Büning.

Unterschiedliche Ernährung bei Remission, Schub und nach der OP?

„Auch in der Remissionsphase verfolgen wir das Ziel, eine Mangel- oder Unterernährung frühzeitig zu erkennen und ihr dann entgegen zu wirken. Viele Patienten halten Diät. Das ist nicht notwendig, denn eigentlich kann jeder essen, was ihm schmeckt und gut tut. Wir empfehlen eine ballaststoffreiche Kost, viel Obst und Gemüse. Das ändert sich im Schub: Hier sollte die Zufuhr von Ballaststoffen reduziert werden, denn sie bereiten dem Darm oft zusätzliche Probleme. Jetzt steht der Ausgleich des Gewichtsverlusts im Mittelpunkt, den wir durch die gezielte Zuführung von so genannter Astronautenkost erreichen, wenn das Normalgewicht nicht selber über die Ernährung gehalten werden kann“, erläutert Dr. Büning.

„Es wird angenommen, dass im akuten Schub etwa 2/3 der Morbus-Crohn-Betroffenen und etwa 1/3 der Colitis-ulcerosa-Betroffenen bis zu 10 Prozent ihres Gewichts verlieren. Dazu kommt, dass viele Patienten keinen Hunger haben und weniger essen. Die Gewichtsabnahme erhöht das Risiko einer Mangelernährung, einer Unterversorgung des Körpers mit Nahrung und mit wichtigen Nährstoffen. Häufig reicht eine reine Ernährungsberatung nicht aus, wir wirken dem daher durch die Gabe von zusätzlicher Trinknahrung entgegen, das ist die so genannte Astronautenkost. Diese „Nahrung“ ist hochkalorisch und flüssig, der Bedarf an Eiweißen, Vitaminen, Kohlenhydraten, Fetten, Spurelementen und Mineralstoffen wird so gedeckt. Außerdem enthält sie möglicherweise Stoffe, die antientzündlich im Darm wirken, so dass sich diese Nahrungszufuhr positiv auf die Darmflora und die Entzündung auswirkt. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht ausreichend erforscht, wir wissen aktuell nur, dass es so ist. Die Astronautenkost wird auch direkt nach einer OP gegeben. Früher war das anders, da wurden frisch operierte Patienten lange nüchtern gehalten. Mittlerweile wissen wir, dass es für die Patienten besser ist, die Ernährung direkt nach der OP wieder zu beginnen“, erläutert Dr. Büning.

Stand der Forschung

In den letzten Jahrzehnten wurde in mehreren Studien untersucht, wie sich Umweltfaktoren und Ernährung auf die Therapie und den Krankheitsverlauf bei CED auswirken. „Wir wissen, dass chronisch entzündliche Darmerkrankungen in Industrieländern häufiger auftreten, als in Entwicklungsländern, aber es gibt nur Vermutungen, und keine empirisch belegten Nachweise, dass dies auf einen ungesunden Lebenswandel zurückzuführen ist. Zum Beispiel sollen Fast Food, Alkohol oder Stress negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben und bei vielen Patienten stimmt das auch, aber nicht bei allen. Deswegen ist die individuelle Betrachtung und Behandlung der Lebensgewohnheiten und Ernährung elementar wichtig für die Therapie“, führt Dr. Büning aus.
Als erwiesen gilt, wie sich Rauchen auswirkt. „Rauchen führt bei Morbus Crohn Erkrankten zu einer Verschlimmerung des Verlaufs und einer schlechteren Heilung“, so Dr. Büning. „Erstaunlicherweise verhält sich das bei Colitis-ulcerosa-Erkrankten anders herum, hier konnten Studien positive Wirkungen des Nikotins auf die Therapie zeigen. Weltweit sind Forscherinnen und Forscher noch dabei dieses Phänomen genau zu untersuchen.“
Aktuell erforschen Dr. Büning und seine KollegInnen den Zusammenhang zwischen Gewichtsverlauf und dem Status der Entzündungsparameter. Die Studie wird voraussichtlich Ende 2014 abgeschlossen sein.

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