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Buchtipp: Firat, das Auto muss weg!

Ein Interview mit dem Autor

 

Letztes Jahr im Februar hatte Firat auf Veranlassung seiner Verlobten (mittlerweile Ehefrau) seinen alten Opel Tigra bei Ebay eingestellt und damit fast 1,5 Millionen Leser erreicht. Amüsant beschrieb er nicht nur den Wagen, sondern sein gesamtes Leben und warum ihn seine Verlobte hierzu drängte. Aus der längsten Ebay-Anzeige der Welt wurde ein Buch.

Mit der Nachricht über die Schwangerschaft deiner Freundin beginnt das Buch. Die Nachricht hat dich überwältigt – wieso?

Firat: Meine Ärzte teilten mir mit, dass ich wegen dem schweren Verlauf meines Morbus Crohns keine Kinder mehr zeugen könnte. Denn ich litt (und leide leider immer noch) unter einem ausgeprägten Fistelsystem, bei dem die gängigen Standarttherapien nicht den gewünschten Behandlungserfolg brachten. Daher nahm ich damals an einer Medikamentenstudie teil, die leider in Folge als Nebenwirkung meine Fruchtbarkeit beeinträchtigte. Bevor wir aber die tolle Nachricht erhielten, hing drei Monate zuvor mein Leben an einem seidenen Faden – eine Katastrophe folgte auf die andere: Darmdurchbruch, die Entfernung von 50 cm Darm, Blutvergiftung und das Anlegen eines Stomas machten diese Zeit zur schlimmsten meines bisherigen Lebens. Umso größer war die Überraschung als ich von der Schwangerschaft erfuhr. Wir hatten sogar bereits Adoptionspapiere zuhause liegen gehabt, weil ein Leben ohne Kinder für uns unvorstellbar war. Aber es hat doch geklappt und wir sind überglücklich.

Wie läuft euer Leben zu dritt?

Firat: Unsere kleine Tochter Olivia ist gesund auf die Welt gekommen und wir genießen unser neues Leben. Es ist großartig Vater zu sein. Neben den üblichen Verpflichtungen, die man als junger Familienvater so hat, betreibe ich sogar momentan die größte deutschsprachige Väter-Seite im Internet mit fast über vier Millionen wöchentlichen Aufrufen – hier der Link: www.facebook.com/dievaeterseite. Mittlerweile ist auch die dazugehörige Webseite online: www.vaeter-seite.com.

Im Buch geht es damit weiter, dass deine Frau Joanna euren Opel Tigra für familienuntauglich erklärt. Dies führte zur „längsten und geilsten Autoanzeige der Welt“ (Zitat Stern) und zur Erzählung vieler Erinnerungen – u.a. auch über Situationen über den Alltag mit deiner Erkrankung. Aber dein Morbus Crohn und der künstliche Darmausgang scheinen dich nicht sonderlich einzuschränken. Wie schaffst du das?

Firat: Natürlich habe ich auch weniger schöne Erfahrungen gemacht, aber ich nehme es mit Humor. Im wahrsten Sinne des Wortes fühlt man sich ziemlich scheiße, wenn im Fußballstadion zwischen 60.000 Leuten und 80 Kilometer weit weg von zu Hause der Beutel platzt. Aber ich möchte mich von meiner Erkrankung soweit wie möglich nicht einschränken lassen und selbstbestimmt das Leben genießen. Daher habe ich zum Beispiel in Sachen Stoma-Anlage solange beraten und mir verschiedene Systeme zuschicken lassen, bis ich für mich die richtige Versorgung gefunden hatte. Die erste Zeit war zwar schwierig, aber mit der Zeit habe ich auch mental gelernt, die neue Situation zu akzeptieren. Letztendlich hat mir das Stoma das Leben gerettet und wenn ich nun täglich das Glück genießen kann, meine kleine Tochter beim Aufwachsen zuzusehen, dann ist mein künstlicher Darmausgang ein Preis, den ich gerne bereit bin zu bezahlen.

Viele Informationen und Unterstützung hatte ich auch nach der OP von Selbsthilfegruppen oder aus Foren erhalten. Der gemeinsame Austausch war für mich hilfereich. Heute gebe ich sogar manchmal selber Tipps, damit andere von meinen Erfahrungen profitieren. Des Weiteren habe ich meine Erkrankung durch die mediale Aufmerksamkeit anlässlich meiner ebay-Anzeige auch genutzt, um unsere Erkrankung ein Stück weit in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Die vielen positiven Nachrichten zeigen mir auch im Nachgang, dass das vielleicht keine so schlechte Idee war.

Zudem bloggst du auf unterhaltsame Weise  über dein Leben als Familienvater und VfL Bochum Fan. Gibt es neue Pläne? Können wir ein zweites Buch erwarten?

Firat: Momentan ist kein zweites Buch geplant, aber ich führe trotzdem Tagebuch, falls doch ein Angebot auf meinem Tisch landen sollte. Mein Fokus liegt neben meinem Beruf natürlich auf meiner kleinen Familie und vielleicht schaffe ich es ja, mit meiner „Väter-Seite“, ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Aber ich nehme mir regelmäßig Zeit für meine Blogeinträge auf meiner Homepage (www.firat-demirhan.de) oder zum Beispiel für Lesungen aus meinem Buch. Falls es etwas Neues gibt, werde ich euch natürlich informieren.

Vielen Dank für das Interview.

Link zur Ebay-Anzeige

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