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Ich weiß, was mir gut tut

Gudrun Möller, AK Senioren der DCCV
Gudrun Möller, AK Senioren der DCCV

Gudrun Möller ist 72 Jahre alt und hat seit 32 Jahren Morbus Crohn. Zu ihrer Therapie gehörte von Anfang an auch die Beschäftigung mit der Ernährung. „Ich habe mich eigentlich immer gesund und auswogen ernährt, dennoch gab es viele Momente nach dem Essen, da bin ich einfach auf dem Boden zusammengesackt vor Schmerzen. Das geht vielen Betroffenen so und liegt – wie bei mir – häufig daran, dass die Nahrung den Darm nicht passieren kann, wegen der Fisteln und Stenosen. Mit der Diagnose Morbus Crohn wusste ich dann den Grund und konnte anfangen, meinen Körper in den verschiedenen Phasen der Krankheit zu beobachten und ausprobieren, welche Getränke und Nahrungsmittel mir gut tun.“

Gudrun Möller: Jeder wird zum Experten seines eigenen Körpers

Der Ratschlag von Ärzten und Ernährungsberatern ist gleichlautend, dass Betroffene essen sollen, was ihnen bekommt. „Ich hatte mir bis zur Diagnose keine Gedanken gemacht über Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine, es gab in den 80er Jahren auch noch nicht so viele leicht zugängliche Informationen wie heute“, erzählt Gudrun Möller. Sie hat sich ein Basiswissen über Ernährung in Arzt-Patienten-Seminaren der DCCV e.V. und durch den Besuch der örtlichen Selbsthilfegruppe angeeignet, was ihr geholfen hat, bestimmte Zusammenhänge zu verstehen. „Mein Ziel war, meine Ernährung so einzustellen, dass ich möglichst auf nichts verzichten muss und genau weiß, wie ich welches Essen im Krankheitsverlauf vertrage.“

Gudrun Möller hat ihren eigenen Plan entwickelt: „Ich esse faserarm. Darauf hatte ich vor der Diagnose natürlich nie geachtet, aber faserhaltige Lebensmittel wie Rhabarber, Spinat, aber auch Erdbeeren und Bananen, bleiben bei Stenosen hängen. Oder Äpfel: Ich schäle die Äpfel immer erst und lasse sie dann ein bisschen braun werden, weil so die Fruchtsäuren abgebaut werden, die wiederum unter anderem für den abführenden Effekt des Apfels verantwortlich sind.“ Auch die Zubereitungsart und Häufigkeit des Essens sind wichtige Faktoren: „Für mich sind fünf bis sieben kleinere Portionen über den Tag verteilt optimal, ich kenne andere Betroffene, die drei große Mahlzeiten bevorzugen. Und ich vertrage stark gewürztes und gebratenes Essen nicht so gut, wie andere Betroffene, die ich kenne, die das sehr mögen.“

Kommunikation ist entscheidend

Gudrun Möller ist im Arbeitskreis Senioren der DCCV e.V. aktiv und engagiert sich nach wie vor in der Selbsthilfegruppe, die sie früher mit ins Leben gerufen hat. Sie weiß um die Herausforderungen, mit denen besonders Neuerkrankte konfrontiert sind: „Es ist schwierig heraus zu finden, was man verträgt, und was nicht, aber dieser Ratschlag ist elementar wichtig, wenn man eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hat. Der Ratschlag bedeutet aber auch Kommunikation: Wenn man als Betroffener in einer Gemeinschaft lebt und eine andere Person kocht, muss man darüber reden und Worte finden dafür, wie man das Essen verträgt.

Dafür ist eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper erforderlich. Ich sehe, dass das besonders Jugendlichen schwer fällt, weil sie ihren Eltern nicht zu sehr zur Last fallen wollen mit ihren sich im Krankheitsverlauf ändernden Bedürfnissen. Für Kinder ist es noch schwieriger in der Familie ihre „ Ansprüche“ an das Essen zu kommunizieren ohne bei den betreuenden Eltern auf Unverständnis zu stoßen. Und beim älteren CED-Patienten ändert sich oft durch multiple Erkrankungen des Alters auch das Essverhalten bzw. die Verträglichkeit. Im Arbeitsleben ist es mittlerweile leichter geworden: Viele nehmen sich ihr Essen mit oder bereiten es schnell in den Büroküchen zu.“

Gefragt nach dem einen Ratschlag, der für alle Betroffenen richtig sein könnte, antwortet Gudrun Möller: „Viele Betroffene halten sich an den Leitsatz: In Ruhe essen und gut kauen. Das Essen wird so besser zerkleinert und das ist das Beste für den Darm.“

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