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Ernährung ist ein Bestandteil der Lebensqualität

Prof. Dr. Jost Langhorst

Prof. Dr. Jost Langhorst ist Leiter des Zentrums für Integrative Gastroenterologie der Kliniken Essen-Mitte und einer der Experten für Ernährung beim Crohn & Colitis-Tag. Er erläutert, welches Ernährungskonzept einen wichtigen Beitrag zur Remissionserhaltung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) liefert.

„Die Zusammensetzung der Nahrung kann dabei unterstützen, einem Schub vorzubeugen und den Allgemeinzustand der Betroffenen verbessern. Im Mittelpunkt der Empfehlungen von mir und meinen KollegInnen steht eine antientzündlich ausgerichtete Ernährungstherapie, bei der wir den bekannten Ratschlag, dass Betroffene essen sollen, was sie am besten vertragen, mit Ratschlägen zur Stärkung des Darmimmunsystems und der Barrierefunktion der Darmschleimhaut ergänzen“, erläutert Prof. Langhorst.

Allgemeine Empfehlungen

„Um herauszufinden, welche Nahrungsmittel und Getränke individuell gut vertragen werden und welche nicht, raten wir zunächst einmal ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen. Hieraus lassen sich individuelle Verträglichkeiten und Präferenzen erkennen. Es gibt zwar nicht die eine Diät und den einen Ernährungsplan für alle Betroffenen gleichermaßen, aber auf Basis von unseren Erfahrungen und von wissenschaftlichen Studien empfehlen wir eine mediterrane Vollwertkost. Sie gewährleistet eine optimale Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Omega-3-Fettsäuren, enthält viele antientzündliche Stoffe und wenig tierische Fette.“

Mineralstoffe und Vitamine bei CED

CED-Betroffene sollten besonders darauf achten, dass keine Unterversorgung von Mineralstoffen, Eiweißen und Vitaminen entsteht. Zu den wichtigsten Mineralstoffen gehören Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen, Selen und Zink. Bei den Vitaminen stehen Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E, Vitamin K, Vitamin B12, sowie Folsäure und Vitamin C im Mittelpunkt. Das wird in der Regel durch eine mediterrane Vollwertkost gewährleistet. „Wenn in Ausnahmefällen eine bedarfsangepasste Ernährung eine gegebene Unterversorgung nicht ausgleichen kann, sollte sie in Absprache mit dem Arzt ggf. durch entsprechende Supplemente beseitigt werden“.

Die Rolle der Fette

„Wir wissen um antientzündliche Wirkungen von bestimmten Pflanzenstoffen und Fetten, wie zum Beispiel die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen. Hier haben Studien erste Hinweise darauf gegeben, dass sie positive Effekte auf die Entzündungsaktivität und auf die Darmschleimhaut haben, deswegen sollte Seefisch wie Lachs, Makrele, Hering oder Sardine ein oder zwei Mal in der Woche auf dem Speiseplan stehen, wenn er gut vertragen wird. Auch Raps-, Walnuss-, Lein- und Sojaöl bilden eine wichtige Quelle für diese Omega-3-Fettsäuren und auch Olivenöl enthält antientzündliche Stoffe. Auf der anderen Seite gibt es die entzündungsfördernde Arachidonsäure, deren Konzentration in der entzündeten Darmschleimhaut erhöht ist und sich bei Nachlassen der Entzündungsaktivität wieder reduziert. Sie ist in vielen Fleisch- und Wurstsorten enthalten ist, hier raten wir zur Zurückhaltung. Ebenfalls nur in geringen Mengen sollte Distel-, Sonnenblumen- und Maiskeimöl verwendet werden, da die enthaltenen Fettsäuren das Entzündungsgeschehen steigern können“, so Prof. Langhorst.

Ganzheitliches Ernährungskonzept

Neben der Auswahl von Nahrungsmitteln und Getränken spielen bei der vollwertigen Ernährung auch andere Faktoren eine Rolle, wie Prof. Langhorst darstellt: „Lebensmittel sollten möglichst frisch und naturbelassen verarbeitet und schonend zubereitet werden, dazu gehören kochen, dünsten, dämpfen und garen. Beim Einkauf sollte auf regionale Produkte der Saison geachtet werden, sie haben den Vorteil, dass sie weniger belastet sind, als Importware, die häufig nur durch den Einsatz von Chemikalien die langen Transportwege und -zeiten überstehen. Betroffene sollten wenn möglich darauf achten, dass sie sich Zeit für die Mahlzeit nehmen, denn schnelles Essen ist schwerer verträglich, als gut zerkaute Nahrung“.

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