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CED in jedem Alter

„Nicht nur die Menschen entwickeln sich weiter, auch die sie »begleitenden« Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. med. Klaus Herrlinger – Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Onkologie, Infektiologie und Diabetologie der Asklepios Klinik Nord in Hamburg. Er unterstützt den diesjährigen Crohn & Colitis-Tag als fachmedizinischer Berater für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).

Im Folgenden erläutert Prof. Herrlinger die Merkmale von CED in unterschiedlichen Lebensphasen: „Nicht nur wir kommen in die Jahre, auch unsere CED verändert sich im Laufe der Zeit. Kinder und Jugendliche, die von CED betroffen sind, müssen sich oft mit anderen Problemen auseinandersetzen als Erwachsene und ältere Menschen. Das liegt einerseits an der unterschiedlichen Aggressivität der Erkrankungen, andererseits aber auch an den jeweiligen Lebenssituationen in den unterschiedlichen Phasen des Lebens.“

Wann erkranken Menschen an CED?

Eine CED kann in jedem Lebensalter auftreten: am häufigsten zwischen 20 und 30 Jahren (Morbus Crohn) bzw. zwischen 30 und 40 Jahren (Colitis ulcerosa). Je nach Lebensalter unterscheiden sich dabei die Krankheitsverläufe: Im Kindesalter und jungen Erwachsenenalter sind z. B. schwere Verläufe häufiger als bei älteren Patienten mit CED.

Unterschiedliche Entzündungsmuster

Morbus Crohn kann den ganzen Verdauungstrakt befallen. Bei der Colitis ulcerosa ist immer (nur) der Dickdarm befallen „Man kann sagen, dass im jüngeren Alter der Befall noch ausgedehnter ist. Bei der Colitis ulcerosa ist“, erläutert Prof. Herrlinger weiter, „bei drei von vier Kindern der gesamte Dickdarm entzündet (= Pancolitis). Beim Morbus Crohn ist besonders häufig der Befall von Dünn- und Dickdarm. Dieser von Beginn an ausgedehnte Befall ist natürlich schwerer zu behandeln und bei erwachsenen Neuerkrankten im Vergleich seltener.“

Welche Symptome belasten junge und ältere Patienten am meisten?

Bei Kindern können chronische Darmentzündungen zu einem verzögerten Wachstum und einem späteren Einsetzen der Pubertät führen. Dies kann zur Folge haben, dass die genetisch angelegte Körpergröße nicht erreicht wird, wobei ein „Aufholwachstum“ bis zum 21. Lebensjahr möglich ist. Im Einzelfall kann das für die Betroffenen psychologisch sehr belastend sein.

Kinder und Jugendliche mit Morbus Crohn weisen häufig zum Zeitpunkt ihrer Diagnosestellung eine Vielzahl schwerer gesundheitlicher Probleme auf. Jüngere Patienten leiden neben den üblichen Symptomen der CED wie Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust gleichzeitig noch an außerhalb des Darms auftretenden (extraintestinalen) Symptomen wie Gelenk-, Augen und Hautentzündungen. Dieser schwere Symptomkomplex tritt bei Patienten über 60 Jahren nur selten auf.

Eine Darmblutung tritt altersunabhängig bei allen Patienten mit neuer Colitis ulcerosa auf und weist im weiteren Verlauf der Erkrankung auf einen akuten Schub hin. Bauchschmerzen und die gängigen extraintestinalen Symptome (s.o.) sind bei jungen Erkrankten wesentlich häufiger als bei älteren. Bei älteren Patienten muss bei einer Darmblutung hingegen auch an Entzündungen anderer Ursache sowie an Darmtumoren gedacht werden. Zumeist stellt im höheren Alter die Inkontinenz unabhängig von der CED häufiger ein Problem dar. Im Alter sind zwar in der Regel die Krankheitsverläufe milder, allerdings kann der Stuhldrang und der Durchfall bei beginnender Inkontinenz besonders belastend sein – insbesondere bei gleichzeitig abnehmender Mobilität.

Therapie

Wenige Medikamente sind speziell für Kinder zugelassen. „Bei Kindern versuchen wir auf systemische Kortikosteroide weitest gehend zu verzichten, weil sich die Therapie ungünstig auf Wachstum und Qualität der Knochen auswirkt. Auch ältere Patienten sollten längere Kortisontherapien wegen einer drohenden Osteoporose vermeiden“, so Prof. Herrlinger. Außerdem erhalten sie häufig wegen weiterer Erkrankungen (= (Multi-)Komorbiditäten) zusätzliche Medikamente, bei denen die Verträglichkeit mit den CED-Medikamenten im Auge behalten werden muss. So kann sich beispielsweise Diabetes mellitus unter einer Kortisontherapie verschlechtern. Übrigens: Das Risiko einer Medikamenten-Wechselwirkung liegt bei gleichzeitiger Einnahme von zwei Medikamenten bei 10 Prozent, bei vier Medikamenten bei 40 Prozent und bei sieben bei etwa 80 Prozent. 

Sie interessieren sich für weitere Informationen?

Beratung von Betroffenen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist eine Hauptaufgabe der DCCV. Je nach Alter gibt es zum Beispiel spezifische Angebote für:

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Das Kompetenznetz Darmerkrankungen unterstützt Sie darin und hilft Ihnen dabei. Wir sehen es als unsere Aufgabe, über die Erkrankungen und deren Besonderheiten zu informieren und die Suche nach einem Experten zu erleichtern. 

Zudem führt die DCCV eine Liste von Fachärzten für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die von Betroffenen genannt wurden. Diese ständig aktualisierte Ärzteliste von in Praxen und Kliniken arbeitenden CED-Experten ist nicht im Internet veröffentlicht. Betroffene haben die Möglichkeit, einmalig durch Anfrage in der Bundesgeschäftsstelle der DCCV die Kontaktdaten von bis zu drei Fachleuten aus der Nähe ihres Wohnorts zu erfragen.

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